clipcliplogo
Menüleiste <--> Inhalt <-->

 kaum waren wir oben und über den bäumen sah man die auf uns zukommende gewitterfront wie eine besonders hartnäckig haushohe welle dunkelvioletter lieblosigkeiten, die zumindest jeden bootsverkehr sofort lahmzulegen verstände. meine wahllos in den unsichtbar gewordenen himmel gestocherte frage blieb: "was hat ein flieger in diesem gleich einsetzenden chaos von gewitter verloren, wenn er nie wieder die chance haben würde, seine türen der besseren bremsung wegen gleich beim landen zu öffnen - und was hätte das dann noch mit mir, der peruanerin und dem kleinen hund zu tun, wenn wir komplett auseinander genommen in die baumkronen zwischen die äste geklatscht nach ein paar wochen in fortgeschrittenem zustand der verwesung nur noch runterzutaumeln haben wie einseitig abgerissene moskitoflügel?" als letzte fall-übung nicht so ohne weiteres hinzunehmen, auch nicht mit sprechblase als falschem schirm in form von "fallschirm".
 schon in der luft wurden wir hochgeschmissen wie ein fetzen papier um gleich wieder runtergedrückt zu werden wie immer noch derselbe fetzen. es begann zu regnen und wurde übergangslos zum strömen wie aus eimern. alles an gedächtnislücken hätte nie auch nur einen dieser erinnerungseimer eines derart brutal dahintosenden urwald- gewitters aufzufüllen und dadurch abzuschwächen vermocht. zu dritt in diesem aufwendig engen urwald-flieger, bei dem bislang nur das ankommen hat funktionieren dürfen, weil wir sonst nicht in der luft gewesen wären, die lustig nach mehr aufwind schrie und folglich einen sturm dazu bekam, der immer heftiger wurde und uns plötzlich mitten im gewitter rauf- und runterschlingern liess. die baumwipfel kamen näher und unaufhaltsam näher und man erlebte den urwald als etwas schwimmendes. die gestauchte situation liess den piloten nur bleich und übelriechend in dieser mottenkiste herumfuhrwerken wie einer, der ertrinkt und dies vorwegnehmend auch schon selber weiss;es kamen noch die hellen spitzen schreie der peruanischen schönheitswespe dazu, vermischt mit den hellen spitzen jaulern des kleinen stinkzwiebel-hundes in heller panik bei gleichbleibend abwechslungslos erstickender luft - selbst mein motorrad, das schlimm auseinanderrutschte und wohl alles und alle rausgeschmissen hätte, wenn ich es nicht irgendwie und nur mit diesem einen strick von zufälliger mitnahme in der not hätte zusammenhalten können wie ein betäubtes pferd, weil an knotung gar nicht zu denken war und schon gar nicht in dieser luft. denn sie blieb weg, dick wie sie war und nur noch in den reifen;und niemand würde sagen können, ich zitiere wie espenlaub - platt und zittrig. das behaupte ich mittlerweile schon selber, weil ich als mann dabei meistens weiblicher eingestellt bleibe, als man das hätte vermuten können.
fraulich ausgedrückt wäre es dasselbe.

Textauszug aus whaling-urwald-3 © by ulrich gehret 2011



meine flucht über's vereiste haff hatte sich nie vorgenommen, als akzeptabler
lokal-matador irgendwo sein behäbiges ende zu bestehen. weder in spanien noch sonstwo und ganz gewiss nicht in deutschland, weil mein kompromiss mit diesem land allein darin besteht, das noch in der hochschule klar von mir gegebene vorhaben als ein grundrecht umzusetzen: meinem sprach- und denkraum das einzuverleiben, was er substanziell abgefordert hat. nicht als beitrag - was harmlos untertänzelt bliebe - vielmehr als klare aufforderung zur kenntnisnahme dessen, was deutschland bislang kaum oder nicht genügend hat verifizieren können und was anstrengungslos als gegenpol zum üblichen kulturbehagen bezeichnet werden müsste, wenn dies nicht schon von sich aus geschieht als nachdenklerisch sich gebendes zerregelungs-behagen.

Textauszug aus whaling-nachttaxi © by ulrich gehret 2011



als relativ spät alterndes kind hatte ich zum abschluss meines immer ein wenig zerstreuten gangs zum milch-holen diese alukanne für milch mit milch an den rinnstein gestellt, nicht aufgepasst und gelähmt vor schreck bemerkt, dass diese milch wie jede andere milch im rinnstein ihren weg suchte, der weiss anfing und dunkel endete, weil aller staub um ihre rinnsalhaft suchenden trommelschlegel-finger sich wölbte wie die zerlöcherte mütze, die ich zum skifahren mir um stirn und ohren band. entsetzlich diese quälenden und doch zentral verankerten tagträumerischen nebenbeobachtungen, die immer und immer nicht nur blieben, sondern sich noch weiter und weiter entwickelten und zu etwas wurden, das alles an realität wegzuschmelzen drohte.
 ich tupfte mit dem zeigefinger halb in die zäh sich dahin entdoppelnden milchbahnen im staub und hatte das hellste an freude dabei zu sehen, wie mit so harmlos beginnendem fingertipp sich ein wunderbares geflecht durchkreuzender adern zu verbinden begann. klar, dass solche träumer mit zerlöcherter mütze keinerlei chance haben, jemals etwas anderes zu erreichen als ausgesiebt zu werden. sowohl nachhaltig früh wie vorsorglich später, also restlos.
 noch heute bis hin zu dieser schief angewinkelten brücke über versteinert grinsenden kohlköpfen bin ich dieser protestantisch sich selbst verpflichteten nächstenliebe dankbar für jene täglich bis stündlich abgeforderte härte an zwang, entweder der kaum zu widerstehenden gnade des herrn sich zu ergeben oder klar erledigt zu werden und zwar definitiv in jeder beziehung. diese beispiellos aufwendige phantasielosigkeit, man solle sich der frohen, fröhlichen oder wie auch immer erheiternden botschaft nicht verschliessen mochte mir nie so recht gelingen. die liebe des herrn amüsierte sich bislang im anderen extrem von kriegen und ausweglos tiefgefrorener lieblosigkeit, die man nur bewundern kann angesichts der totalität ihrer vermummung. liebe und gewaltlosigkeit als dauermagma zur ausrottung jeglichen widerstandes wäre und bliebe als idee zweifellos das beste an strukturell realisierbarer sofortlösung - die pest im mittelalter bliebe dagegen nur dekoratives mahnmal wie akne-störung und dadurch die harmlosere variante.
grundsätzlich wird es das rätselhafteste an dilemma jeglicher prädestinationslehre bleiben, wie im reiche dieser ausgedroschenen seelen jugendliche querdenker 16 jahre vor meiner eigenen zeit als sechzehnjähriger gehenkt wurden: "sechzehnjährig, öffentlich und vormittags!"
 den hasen habe ich erst später überfahren; es machte nur "palomm-palomm"- er war einfach schneller und schoss an mir vorbei.

Textauszug aus whaling-urwald-2 © by ulrich gehret 2011



"wäre mir nicht die wal-fluke nach allen vergeblichen mühen der nacht-taxi fahrereien vor die nase torkelnd hochgekorkt gekommen, wären nur schmetterlinge übrig geblieben.
 so aber wurden sie sinnvoll vernetzt wie durch den grünspan-äquator bilateralisiert in modulative flecken von wal-haut und entsprechend entdoppeltem denken, das gar nicht so übel funktioniert, wenn man nur tapfer genug die finger davon lässt. "

Textauszug aus whaling-nachttaxi © by ulrich gehret 2011



zum Seitenanfang

 

Footer <-->