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"nur wer sich selbst entdeckt bleibt nie allein -
die unsichtbaren fäden unsichtbarer schwerkraft halten
die schwerkraft wie schwerkraft zusammen!"





 




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 die hitze war derart schlimm, dass sie gar nicht mehr existierte, somit nicht vorhanden blieb und ich nur noch lehmklumpen wegzuhauen brauchte, um sie an anderer stelle wieder so aufzuschichten, dass wenigstens ein einziger überrenner mit dem motorrad ohne namen vielleicht die gnade hätte, alles weitere an weiterfahrt zu ermöglichen, die eigentlich nur eine vorhersehbare folge von schlinger-stürzen ergab. erfreulicherweise fast immer in riesigen pfützen landend, aus denen ich kaum wieder hochkam, weil elend müde und kaputt; sodass bei einer dieser pfützenlandungen die rettende idee mich schwingungs-technisch durchgaukelte, liegenzubleiben um alles leerzusaufen durch trockenpumpen.
 rein quälsorge-technisch nicht übel dieser vermeintliche neuanfang an gegenläufiger, also falsch interpretierter nasslegung. jedenfalls fingen eine unmenge kleiner schwarzer fliegen damit an, genau am rand der augenwimpern wie die entleerte sonnenbrille persönlich sich anzusiedeln um zuzubeissen. keine ahnung, was sie da wollten ausser behilflich zu sein vielleicht. behilflich, wenn überhaupt, für immer erheiternder werdendes fluchen, das bisweilen auch lautlos wurde - als oberste sahne einer verrutschten torte selbst-verschuldeter kalamitäten direkt beliefert von pornografisch verhunzten konditoreien mit diesen weissen langen zuckerschnüren zum einsatz eher versöhnlich bleibender auspeitschung. "black-spaghetti" gehört als sehr viel später entstandenes bild-objekt zu deren hilflosen, im grossen ganzen allerdings dankbaren opfern; mit einer einzig übrig gebliebenen, wenn auch angewinkelt wie schief unterbrochenen trapezleiste aus höfisch-pastoralem zuckerguss in system-räumlich unterlegtem kleckerweiss.
 die peruanerin kam angewankt, sie baute sich gesammelt wie abwesend vor mir auf und sagte leise, aber deutlich:"wir werden hier sterben!" dann kippte sie um und blieb liegen; der boden war vom feuchten lehm so glitschig-glatt wie ein zugefrorener teich.
 mir war klar, dass sie die wahrheit sagte - wenn auch ein wenig zusammengestöpselt und vordatiert:"kein grund, sich hinzusetzen!" nach zwanzig jahren denkender pause, weil jeder einvernehmlich seine eigenen wege zu gehen hatte die nicht aus lehm bestanden, fragte sie mich in new york wie eine ausgeträumte kicher-erbse:"weisst du noch, wie wir mit fliegen als brille sterben mussten und du sagtest, dazu brauche man sich nicht hinzusetzen?" selbst in diesem moment nach so langer zeit packte mich erneut das grausen wie blankes entsetzen: wir waren zweifellos nah dran - schwarz umbrillt von beissenden kleinen fliegen wie brombeerkügelchen.

 den ursprung dieser wahnsinns-idee, brasilianischen urwald ohne luftpumpe, dafür aber mit einer verrosteten flachzange zu durchqueren und auch noch jemanden mitzunehmen - diesen hintergrund aufzumeisseln ist mir erst nach dreissig jahren gelungen. und ich sehe klar wie überdeutlich, dass es gar nicht anders möglich war und wäre, als mit gekapertem irrsinn den eher weniger gekaperten irrsinn bestehender zwänge und festgefahrener verhältnisse zu durchjauchzen um eine idee davon zu finden, was besser funktionieren könnte im leben als das leben selber und dessen bilder, die es allein schon des glotzens wegen zu geben hat, auch wenn das wegglotzen in den meisten fällen ergiebiger bliebe.

Textauszug aus whaling-urwald-1 © by ulrich gehret 2011



 dieses kleine vieh lebte in ständigem blick- und denk-kontakt mit mir und kippte, wenn alles okay war, einfach um wie ein träges pferd;erst seitlich, dann auf den rücken, streckte alle vier pfoten in den himmel und schaute ausgelassen mit zurückgezogenen dreiecks-augen wie ein junger fuchs in meine richtung.
 ich schätze, sie hätte nur noch eine armbanduhr um die pfoten gebraucht, um manche wichtigkeit durch einmaliges emporheben der pfote signalisierend einzupendeln. die nächte verliefen unterhalb des gefrierpunktes und nicht gerade in langen, hellen oder sonstwie ungeraden sprüngen; als alles irgendwie erstarrt die wärme des kommenden tages abwartend ich eines morgens sah, wie der braune hund ohne namen sozusagen zolltechnisch abgeduckt sich rausschlich um in dem garten an der mauer auf einem erdhügel sich kugelrund draufzupflanzen;den buschigen schwanz über die nase um die ersten sonnenstrahlen in empfang nehmen zu können. die sonne kam genau an dieser stelle als erster wärmender strahl zum vorschein sodass ich wusste, wo und wie ich dieses triebhafte und gänzlich ungebildete tier purer verwahrlosung ohne die geringste rassenhygiene als nicht näher identifizierbare mülltüten-mischung morgens zu suchen hatte: "buenos dias und buongiorno! hoheit nehmen schon sonnenbad? oder lieber später und auch ein bischen länger - oder nur?"
 ihre antwort blieb meist als klarer verhangener schafsblick alles an stellbarer frage oder antwort im ungefähren belassend, höflich indifferent, aber nicht bis zur unkenntlichkeit;doch gegenwärtig fächelnd - und nur bei gegenteiliger meinung an einschätzung von situation und perspektive drehte sie ihren kopf; weg und den horizont absuchend nach gefährlichen viechern um dadurch bis auf weiteres eher unerreichbar bleiben zu können, weil beschäftigt - bis hin zu tiefschlaf oder anderen unachtsamkeiten.

Textauszug aus whaling-peru-2 © by ulrich gehret 2011



 ich wartete ausnahmsweise gleich unten beim felsen, denn schon tagelang kam da pünktlich ein wal vorbei und ich wusste mittlerweile, wie man ihn einwickelt. ähnlich wie bei den zackenbarschen; einfach nichts tun.
die fluke war wie blankgeputzt, ganz weiss mit sandkornartigen dunkelteilen ab einer zone respektierlichen abstandes um dann in die andere, dunkelfarbige haut des restlichen körpers überzugehen; diese weisse zone, hauchzart durchpulst von blut und dadurch rosa schimmernd hob und senkte sich wie ein fahrstuhl in gleichmässigem auf und ab notwendigen vorwärts-kommens mit einer kleinen, handteller - grossen einbuchtung in der mitte, wo ich ungläubig meine nasenspitze hinein versenkte, in gleichem auf und ab wie prinzliche hoheit. vom lilienweiss der fluke - begrenzung in richtung vorderfront einer gigantischen wand an farb - durchfleckter haut und körpermasse sprudelte und perlte ich wie eine dieser vielen luftgetränkten bläschen nach oben wie nach unten als ein stück kork, gerade noch luftholend so, dass ich wohl bis zum ende meiner tage nur diese farbmodulationen in bewegung als appendix jenes traumschweren ereignisses mitgestaltet haben würde, hätten nicht meine fingerspitzen schon von sich aus versucht, dieser prägung von gespenst einen freundschaftlichen fingerdruck weiterzugeben, damit es vorbei sein und dadurch für immer gegenwärtig bleiben kann.
 der wal hat kapiert, gab gas und war sofort weg und unten - so dicht alles ansaugend wie im einzigen augenblick unwiederbringlicher schwerelosigkeit. es waren nicht mehr als zwei bis drei minuten, welche die folgenden jahre entscheidend beeinflusst und mitgestaltet haben.

Textauszug aus whaling-valdez © by ulrich gehret 2011

 



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